
26. November 2025
Proprio AFO Spring
Mehr Kontrolle, mehr Dynamik, mehr Versorgungsfreiheit
Orthesen müssen heute mehr leisten als Stabilität. Sie sollen Bewegung ermöglichen, Energie zurückgeben und sich flexibel auf unterschiedliche Patientenanforderungen einstellen. Genau hier setzt die neue 3D-gedruckte Spring an:
Erstmals kombiniert eine proprio AFO gezielte Federdynamik mit kontrollierter Führung über alle drei Rocker-Phasen – für sichtbar flüssigere Bewegungen und eine natürlichere Gangentwicklung.
Die wechselbare Spring-Unit ermöglicht eine neue Form der Feinabstimmung. Dabei kann man testen, anpassen und optimieren, ohne eine neue Orthese herstellen zu müssen.
Kernidee
- Vollständig 3D-gedruckte, austauschbare Feder (Strut): Steifigkeit und Vorspannung lassen sich in der Anprobe oder im Verlauf der Versorgung variieren.
- Einstellbare Unterschenkelvorlage & Fußrotation: Shims/Keile erlauben schnelle Winkelanpassungen (dorsal/plantar) ohne Neuanfertigung.
- Footplate-Tuning: Wahl der Vorfußsteifigkeit, um Abrollverhalten und Vortrieb zu modulieren.
- Modulares Set: Verschiedene Federstärken im Set, in der Praxis schnell tauschbar → „volle Dynamik, volle Kontrolle“ über den gesamten Versorgungszeitraum.

Biomechanik über die drei Rocker
- 1. Rocker (Ferse → Fußsohle): Die Feder verlangsamt kontrolliert die Plantarflexion – funktionell analog zur exzentrischen Aktivität des Tibialis anterior.
- 2. Rocker (Tibia-Vorwärtsbewegung): Dosierter Widerstand gegen Tibia-Progression unterstützt Knieextension in Mid-/Terminal-Stance (funktionell wie Gastro-Soleus-Komplex).
- 3. Rocker (Vorfuß-Hebel/Vortrieb): Kombi aus Federdeformation und Footplate-Steifigkeit ermöglicht elastischen Rebound und effizienteren Schrittübergang.
Indikationen & klinische Szenarien
- Crouch-Gait: Tibia-Vorwärtskontrolle und terminale Hüftextension werden unterstützt, ohne die Kinematik „abzuschneiden“.
- Zehengehen: Einstieg mit höherer Steifigkeit – graduelles „Runterstufen“ der Feder möglich, bis hin zur Funktionsprobe ohne Strut (Übergang Richtung SMO-Logik).
- Spina bifida / FES-nahe Szenarien: Minimal erlaubte Bewegung verbessert Propriozeption und Standstabilität im Alltag.
- Wachstum, Tonus, Spastik: Anpassbarkeit hilft, Wachstumsschübe, Gewichtsänderungen oder spastikbedingte Tagesformen zu kompensieren, ohne Neuversorgung.
Technische Highlights aus der Fertigung
- Anprobe wie Tuning: Struts in verschiedenen Steifigkeiten vorhalten, Shims (z. B. 0°/3°/5°) für Unterschenkelvorlage; Footplate-Steifigkeit eine Stufe „härter“ als bei klassischen AFOs einplanen, weil sie mechanisch mit der Feder interagiert.
- Inputdaten: Messungen funktionieren in vielen Fällen sehr gut; bei fixen Deformitäten (z. B. unverrückbare Hinterfußstellung) Cast/Scan bevorzugen.
- Servicefreundlich: Federwechsel und Winkel-Tuning ohne Neuanfertigung – sinnvoll für Verlaufskontrollen, Wachstumsphasen und Therapieanpassungen.
Mit der Spring kommt das in die Orthetik, was die Prothetik schon lange kann: Fein einstellen statt festlegen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: ein natürlicheres Gehen, weniger Kraftaufwand und ein spürbar besseres Bewegungsgefühl. Für die Werkstatt heißt es: schneller anpassen, weniger Neuanfertigungen und mehr Kontrolle über das Ergebnis.